Glaubenskrieg der Windfahnengurus

Im letzten Beitrag hatte ich meinen Gedanken zur Energiegewinnung auf Lütt Matten mal freien Lauf gelassen. Parallel dazu gilt es auch, den Stromverbrauch zu senken. Gut, der Kühlschrank ließe sich abschalten, auch wenn der Verzicht auf ein gut gekühltes Anlegerbier schon hart ist. Zweiter Hauptenergiefresser ist der Autopilot. 

Belesene Segelblogverfolger wissen schon, was folgt. Eine Windfahnensteuerung wäre die Lösung. Joo. Da folgen die nächsten dicken Fragezeichen. Windfahnensteuerungen arbeiten wunderbarerweise rein mechanisch und verbrauchen null Energie. Quasi ein Perpetuum Mobile. Aber diese Wunderwerke haben so ihre Ansprüche. Finanziell (hoher Anschaffungspreis) sowieso und platzmäßig. Und gleich darauf folgen zwei Fragen zum System ( mit oder oder Hilfsruder) und zur Positionierung am Heck. Und schwupps, befinde ich mich mitten im Glaubenskrieg der führenden Herstelller.

Braucht Matten ein Hilfsruder?

Zur Einstimmung setze ich mal einen Link zu einem aktuellen Videobericht, bei der eine Segelyacht ihr Ruder mitten auf dem Pazifik verloren hat.

Joo. Der Verlust der Manövrierfähigkeit durch Ruderbruch ist also nicht sooo selten. Hoffentlich liest das jetzt kein Familienmitglied. Jedenfalls mache ich mir dazu Gedanken. Zurück zur Windfahnensteuerung. Die läßt sich also mit bzw. ohne Hilfsruder ordern, welches im Notfall komplett die Aufgabe des Hauptruders übernehmen könnte. Zweiter Vorteil wäre der Verzicht auf sämtliches Leinengedöns, dass normalerweise von der Windfahnensteuerung zur Pinne bzw. zum Ruder, sprich Steuerrad gespannt ist. Soweit so gut. Eine Windfahnensteuerung mit Hilfsruder erzeugt allerdings wesentlich stärkere Kräfte an der Halterung der Windfahnensteuerung. Nun hat Lütt Matten so eine superdupa große Badeplattform, die für eine derartige massive Halterung ungeeignet ist. Also müßte die Halterung seitlich, also steuer-bzw. backbortseitig von der Heckklappe angebracht werden.

Der Kunde zwischen den Fronten

Joo. Nun gibt es Hersteller dieser Windfahnensteuerungen, die sagen, dass eine Montage nur mittig (plus/minus 10 cm) am Heck erfolgen dürfe. Erscheint auch irgendwie logisch. Wenn Matten auf der Steuerbortbacke liegt und das Hilfs- bzw. Pendelruder sich auf der Backbortseite des Hecks befindet, wird dieses wohl kaum noch von Wasser umspült und kann schwerlich einen Steuerimpuls geben. Ach. Ich „montiere“ mal eben eine Windfahnensteuerung, um das Problem zu verdeutlichen:

windvane 1024x484 - Glaubenskrieg der Windfahnengurus
linkes Bild: Pendelruder ausreichend im Wasser rechtes Bild: Pendelruder ist kaum noch im
Wasser

Ein Hersteller schwört steifes Bein, dass eine außermittige Montage mit seinem angebotenen Modell möglich sei. Im Gegenzug behauptet dieser, dass es grundsätzlich nicht erlaubt sei, irgendeine Windfahnensteuerung (also auch die leichte Variante ohne Hilfsruder) an einer Badeplattform zu installieren. Dies wird nun wieder von einem anderen Glaubenskrieger dementiert. Der Kunde, also im aktuellen Fall ich, steht nun zwischen den Fronten. Die unterschiedlichen Meinungen werden im Internet rüde bzw. sehr sarkastisch vertreten. Neben sachlichen Argumenten gibt es zwischen den Kriegern wohl auch ganz persönliche historische Nebenschauplätze, die mich nur rudimentär, eigentlich überhaupt nicht interessieren. Ich will nur wissen, ob die Anlage zuverlässig funzt oder nicht. Also was nun ?

Noch ein Platzproblem

Die Windfahne braucht rundum Platz. Bisher hängt an Mattens Heckkorb die Rettungsinsel. Die müsste also umziehen. Und was ist mit den geplanten Solarzellen auf dem Geräteträger? Joo. Für hilfreiche Ratschläge wäre ich dankbar. Aus dem Niemandsland grüße ich nun herzlich und wünsche den geneigten Lesern ein gesundes und friedliches 2019. Ahoi