Maritime Malstunde

Der weihnachtliche Gennakerbaum wurde, wie dem geneigten Leser bekannt sein wird, erfreulicherweise vorfristig auf Lütt Matten montiert. Doch etwas fehlt noch. Na klar. Der Gennaker. Sonst wäre es ja nur ein Baum. Nun sind diese Leichtwindsegel zumeist nicht eintönig weiß, sondern bringen mal so richtig Farbe ins Seglerleben. Und damit es auf Lütt Matten ebenfalls bunter wird, darf ich heute malen, nicht den Gennaker selbst, aber dessen Farbentwurf. Gerne hätte ich ja Lütt Matten als Logo aufdrucken lassen. Das wäre sogar möglich gewesen, allerdings nur mit erheblichen Zusatzkosten. Nö, muss nicht sein. Vielleicht ist es ganz gut so, dass man nicht schon anhand des Segels drei Meilen gegen den Wind sieht, wer da auf dem Meer rumgeigt…

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Das farbliche Gestalten erinnert mich an das Malen mit Zahlen längst vergangener Tage und entspricht gerade so meinen künstlerischen Fähigkeiten, jedenfalls was die Arbeit im Detail betrifft. Wie im richtigen Leben bin ich mehr so für das Große und Ganze. In diesem Fall also mehr so der Gerhard Richter.

Hier ein Beispiel aus der späten Phase meines bildnerischen Schaffens mit Spachtel und Kardätsche.

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Christliche Seefahrt, 2019

Meine leichten Defizite beim realistischen Malen haben ihre Ursache in meiner frühen destruktiv-künstlerischen Ausbildung. So weiß ich bis heute nicht, ob ich mit der linken oder rechten Hand besser malen kann. Denn damals, als das Rad noch nicht erfunden war und ich zur Schule ging, wurde auf die Abnormitäten eines Linkshänders eben noch nicht Rücksicht genommen. Das verhinderte wohl auch meine spätere malerische Karriere. Böse Kritiker meinen allerdings, bei zwei linken Händen wäre es egal, welche der beiden die Ölfarbe auf die Leinwand appliziert. Dabei verwende ich nur Acryl!

Inzwischen wirke ich mehr kompositorisch. Dem nicht ganz eingeweihten Leser möchte ich das, zugegebenermaßen sehr visionäre Werk Das Nebelhorn, Opus 1 ans Herz legen. Dessen Uraufführung fand übrigens im vergangenen Sommer in der Marina Hohe Düne statt, ein thematisch durchaus passender Ort. Mittlerweile kommt das Werk, allen Kritikern zum Trotz, relativ häufig zu Aufführung, wenn es denn die Witterungsverhältnisse erfordern.

Zurück zum Färben des Gennakers. Das gestalterische Experimentieren ist glücklicherweise ohne Pinsel möglich. Nur wenige Mausklicke reichen, um eine gänzlich andere Optik zu erreichen. Schnell merke ich aber, dass ich immer wieder zu meinem ersten, hier nicht abgebildeten Entwurf zurückkehre. Wenn man sich einmal vorab so ein Segel vorgestellt hat, ist es schwer, dieses aus dem Kopf zu bekommen. Genauso, wie Lütt Matten für mich halt immer einen blauen Rumpf haben musste. Nicht zu erklären. Ist aber so. Trotzdem nachfolgend einige Varianten:

Meinen ersten und am Ende endgültigen Farbentwurf zeige ich hier noch nicht. Ein wenig Spannung soll ja bleiben. Soweit der Bericht zu meiner maritimen Malstunde.

Ahoi