Keine Eile

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Die Sonne versucht mit einer fiesen Verschleierungstaktik herbstlich depressive Stimmung zu verbreiten. Aber wir tankten gestern so viel gute Laune, dass uns der graue Himmel und leichte Nieselregen einfach mal nicht stört.

Vor uns liegen nur wenige Seemeilen durch den Bodden. Die Liegeplatzgebühr ist gelöhnt, der letzte Stegsnack gehalten, sämtliche Verbindungen zum Steg gekappt. Den Ableger meistert Lütt Matten dank passender Windrichtung quasi alleine. Wir tuckern sanft durch die Fahrrinne gen Barth. Bloß gut, dass ich den Propeller im September noch putzen konnte. Ansonsten wäre hier heute mit 1500 Umdrehungen des Motors nichts zu machen. Leise schon gar nicht.

Kormorane sammeln sich und geben lauthals Signal zum Weiterziehen gen Süden. Wir haben Zeit und genießen gedankenversunken die Szenerie. Die Einladung zum obligaten Lüli schlage ich pflichtbewusst aus. Grit und Uli vergnügen sich auf dem Deck. Auch das ist mittlerweile Tradition. Fehlt bloß Tina als Dritte im Bunde.

Die gute Sicht läßt uns den Tonnenstrich gut finden. Das kenne ich hier auch anders. Die Barther Marienkirche taucht am Horizont auf und täuscht ein kurzfristiges Ankommen vor. Aber wir müssen noch einen großen Haken schlagen.

Andreas hält nun mit Lütt Matten gerade auf Barth zu. Es wird Zeit, Fender und Festmacher vorzubereiten. Anders als in Barhöft, wo die “Gummibälle“ auf NOK-Höhe, sprich die Wasseroberfläche berührend, hängen sollten, justiere ich die Fender für Barth relativ hoch. Noch eine kurze Ansage zum Anlegemanöver. Der Wind sollte uns dabei in die Hände spielen. Ich übernehme wieder das Ruder. Beim Einbiegen in Richtung Marina erhöhen sich sprunghaft unsere Chancen, am Abend Scholle genießen zu können. Das Restaurant Vinetablick scheint geöffnet zu sein. Hurra.

Die lange Hafenmauer und die passende Windrichtung machen das Anlegen einfach. Wir ziehen Lütt Matten noch ein paar Meter in Richtung Versorgungssäule. Motor aus und wir liegen sicher an unserem Quasi-Stammliegeplatz in Barth.

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Der Tag ist noch jung und wir nutzen die Zeit, um den morgigen Tag stressfrei zu halten. Grit und Uli kümmern sich um unseren fahrbaren Untersatz und begeben sich per ÖPNV nach Hohe Düne. Mit mehrmaligem Umsteigen funktionieren die Verbindungen von Bahn, Bus, Bahn und Fähre erstaunlich gut und koordiniert.

Währenddessen bereiten Andreas und ich Lütt Matten für das morgige Kranen vor. Wir beide sind mittlerweile ein eingespieltes Team und ich bin einfach froh, Andreas beim Einwintern an meiner Seite zu wissen. Wir kommen gut voran, die beiden Frauen auch. Schnell beladen wir noch den Bus mit den Segeln und weiterem Klein- und Großkram. Der Tag neigt sich und wir haben Hunger. Hoffentlich ist Vineta nicht inzwischen untergegangen…

Ist es nicht. Wir ergattern in dem gut besuchten Restaurant Vinetablick einen Tisch. Und was essen wir? Einmal raten. Na klar. Scholle. Viele derer sind es in diesem Jahr leider nicht geworden. Aber Nummer 4 oder 5 wird es schon sein. Beim Ordern äußere ich die Bitte, die Scholle nicht auf Finkenwerder Art zu servieren. Mit leichter Entrüstung antwortet mir der Inhaber des Restaurants prompt, es würde sich ja bei der Scholle schließlich um einen Fisch handeln und nicht um Fleisch. Also keine übertünchenden Speckwürfel. Der Mann versteht mich.

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Scholle Nr. 4 oder 5

Wir genießen den Abend mit etwas Wehmut. Unser Kurzurlaub endet. Zudem werden derartige Restaurantbesuche ab morgen wieder für längere Zeit nicht möglich sein. Der norddeutsch entspannte Chef des Hauses scheint das relativ gelassen zu nehmen, da die Saison für ihn wahrscheinlich eh vorbei ist.

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