Südeuropäisches Flair in der Marina

Abendstimmung Marina

Ich freue mich auf Lütt Matten. Er hat die letzten stürmischen Tage wohl gut überstanden. Allein die etwas lädierten Festmacherleinen ächzen und knarzen vom Schwell. Es blasen „nur“ noch 5 Bft. Meine dänischen Nachbarn berichten von 45 Knoten Windspitzen auf ihrem Weg von Trave- nach Warnemünde. Einge Boote konnten das Unwetter wohl nur auf See abwettern und sind nun mit trocknendem Öl- und Bettzeug zugehangen. Die Szenerie wirkt ein wenig wie in einer südeuropäischen Kleinstadt, deren enge Gassen mit vollen Wäscheleinen überspannt sind. So verliert die Marina etwas von ihrem sterilen Ambiente.

Eine Süßwasserdusche für Matten kann ich mir jedenfalls nach den vergangenen Starkregentagen sparen. Meine Kontrollrundgang ergibt keine weiteren Blessuren. Die Bilge ist staubtrocken, na bitte. Nur die vorderen Festmacherleinen werde ich austauschen müssen. Einge Scheuerstellen sehen doch nicht mehr so vertrauenserweckend aus.

Die Marina ist erstaunlich gut gefüllt. Spät ankommende Boote kreisen lange auf der Suche nach einem Liegeplatz im Hafenbecken. Aus Richtung Warnemünder Strand dringt lautes Partygewummer. Ah ja, die Warnemünder Woche zelebriert wieder gute Laune. So erklärt sich auch das geschäftige Treiben vieler hier liegender Boote, die sich wohl auf die Regatta Rund Bornholm vorbereiten. 2004 hatte ich als Crewmitglied einer 40er Bavaria selbst an diesem Spektakel teilgenommen. Manche Regatta-Crews haben gut in ihre Bordbar investiert. Zumindestens sitzen einige recht feucht-fröhlich und bei selbstgemachter Musik lange in ihrer Pflicht. Gut so und wesentlich angenehmer als das Basshämmern vom anderen Warnow-Ufer.

Mit zwei herrlich frischen Matjesbrötchen und einem späten Ankommenstrunk genieße ich den Restabend mit südeuropäischen Flair. Allein die kühle Temperatur im Cockpit erinnert daran, dass ich mich in nördlichen Gefilden befinde. Nach einem freundlichen Klönschnack mit meinen dänischen Nachbarn, die noch in der kommenden Stunde weiterziehen wollen, verziehe ich mich in meine Koje und stelle den Wecker auf eine unmenschliche Vier. Gute Nacht.

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