Einhand An- und Ablegen am Steg

Diese Seite ist nur für Segelanfänger gedacht. Jeder hat sein System und die Bedingungen vor Ort können differieren. Die erfahrenen Segler mögen nachfolgenden Text einfach überlesen.

Als Noch-Anfänger möchte ich an dieser Stelle etwas klug schnacken und meine ersten Erfahrungen teilen. In SKS- und sonstigen Tages-und Wochenkursen für Segeleleven wird das Thema An- und Ablegen nur rudimentär behandelt. So fühlte ich mich anfangs mit Lütt Matten unsicher und lieferte bei den ersten Manövern ordentliches Hafenkino ab. Doch mit jedem An- und Ableger nimmt die Nervsität ab. Hier stichpunktartig meine Erfahrungen und Vorgehensweise.

  1. Kommuniziere offen deine Noch-Unerfahrenheit mit Stegnachbarn und „Hafenkinobesuchern“.  Ich habe dann oft Verständnis geerntet mit dem Hinweis, alle hätten so angefangen.
  2. Buche ein oder zwei Tage individuelles Hafentraining mit einem Segellehrer, am besten gemeinsam mit deiner Partnerin bzw. deinem Partner.
  3. Präge dir ein: Als Skipper bist du für jeden Fehler, auch deiner Crew verantwortlich. Entweder fehlte es an deiner klaren Einweisung, deinem deutlichen Kommando oder dein Manöver selbst war falsch. Wenn du das verinnerlichst, gibt es kein lautes Wort an Bord. Denn wer brüllt sich schon selbst an?
  4. In der Ruhe liegt der Schlüssel zum Erfolg. Fahre alle An- und Ableger so langsam wie möglich und so schnell wie nötig. Anfangs habe ich neidvoll auf andere Segelfreunde geschaut, die rasant und schnittig in die Box einparkten. Manchmal entsteht dabei aber auch Kleinholz und das Anlegen wird mit lautem Brüllen begleitet oder es entstehen brenzlige Situationen mit kleinen „Optimisten“, die unvermutet um die Ecke bogen. Langsamkeit fängt bei mir schon mit der Einfahrt in die Marina an.
  5. Die Vorbereitungen für das An- und Ablegen brauchen ihre Zeit, gerade wenn du einhand unterwegs bist. Die Fender können auch außerhalb der Marina verstaut werden.
  6. Falls du mit noch unerfahrener Crew unterwegs bist, kontrolliere als Skipper selbst alle Leinenführungen und Fender. Kleine Fehler können oft unnötigen Stress erzeugen.
  7. Gehe für dich die Manöver vorher durch. Wenn du mit einer Crew arbeitest, erkläre allen, wie du Ablauf geplant hast und welche Aufgaben jeder übernehmen soll.
  8. Bevor du in die Marina einfährst, klariere Fender und Leinen und lege möglichst auf beiden Seiten einen Bootshaken griffbereit.
  9. Beim Ein- und Ausfahren sollten die Fender nicht über der Reling hängen. Ansonsten quetschen diese sich gern zwischen Boot und Pfahl und du bleibst dann einfach hängen (oft gesehen, und das Gelcoat an den Reelingsstützen hat dann tolle Risse, achte mal insbesondere bei Charterbooten darauf)
  10. Bevor du dein Manöver startest, schau auf den Verklicker und den Zug der Festmacherleinen deines bzw. der anderen Boote. So weißt du, welche Leinen du zuerst lösen bzw. festmachen musst bzw. wohin es dich eventuell vertreiben wird. Falls du die Wahl hast, parke neben einem „Dickschiff“ in Luv. Dieses gibt dir etwas Windabdeckung.
  11. Fahre beim Anleger bei Seitenwind immer gegen den Wind. So bleibst du besser manövrierfähig.
  12. Fahre deine ersten Anleger mit dem Bug zum Steg. Vorwärts einparken ist viel einfacher!
  13. Falls es Hafenkino gibt, fahre dein Manöver. Und nur du hast das Kommando. Ratschläge sind erst nach dem Anleger willkommen.
  14. Ein Bugstrahler ist nichts Ehrenrühriges, sollte aber nur das Mittel der letzten Augenblicks sein. Schlafende Stegnachbarn werden es dir danken.

So lege ich Einhand mit Bug zum Steg ab, mein Boot ist wesentlich kürzer als der Liegeplatz, nur die Vorleinen liegen auf Slipp, die Heckleinen liegen mit Palstek über den Pfählen:

  • mit den üblichen Checks Motor an und etwas warm laufen lassen
  • Fender an Bord, Bootshaken an beiden Seiten liegen griffbreit, Kugelfender standby im Cockpit
  • Bugstrahler, wenn vorhanden, auf Standby
  • Vorleine an Leeseite einholen und Bootsbewegung beobachten
  • Beide Heckleinen je auf eine Winsch legen und beklemmen.
  • Bei starkem Seitenwind leichten Vorwärtsgang einlegen und in die Heckleinen eindampfen-das Boot zieht sich gerade.
  • Luvseitige Vorleine lösen und in Ruhe zu den Heckleinen gehen.
  • Mit je einer Heckleine in der Hand über der Winsch langsam auf Höhe des luvseitigen Heckpfahls ziehen (gegebenenfalls Getriebe immer wieder auf Neutral stellen), bis das Heck des Bootes etwas über beide Pfähle hinaus steht
  • leeseitige Heckleine lösen, die luvseitige Leine ist in der Winsch beklemmt, eventuell etwas die Luvheckleine wieder etwas fieren, damit ich näher an den Leepfahl komme und die Leeleine lösen kann (wenn diese durch eine Heckleine des Stegnachbarn beklemmt ist hilft ruckhaftes Zuppeln nichts)
  • letzter Blick, ob Achtern der Weg frei ist, luvseitige Heckleine lösen und raus aus der Box

Bei eigenem Liegeplatz nutze ich zusätzlich meine „blaue Holeleine“:

Mit dieser Hilfsleine ist der Bug mit den beiden Sorgeleinen mittels Schäkel bzw. Karabinerhacken fixiert und kann nicht vertreiben. Nur bei  Wind auf die Nase ist etwas Vorsicht geboten. So kann ich die Vorleinen fast gleichzeitig lösen. Erst, wenn ich am Heckpfahl bin, löse ich die Verbindung zwischen Boot und Holeleine. Beim Anleger fische ich, fixiert am Luvheckpfahl, die Holeleine mittels Bootskaken wieder aus dem Wasser, hake den Karabiner am Buganker ein und habe dann das Anlegemanöver eigentlich schon gewonnen.

Letzter Tipp für ein ruhiges Liegen:

Wenn der Liegeplatz wesentlich länger als das Boot ist, lege die Heckleinen nicht parallel, sondern über Kreuz.