1. Seetag

Wir stehen zeitig auf um den günstigen Wind möglichst lange nutzen zu können. Die nochmals gezogenen Grib-Files verheißen bestes Segelwetter. Dieselvorräte, Wasser und Proviant hatte ich in den Tagen zuvor gebunkert. So kann es nach einem kurzen Frühstück gleich übers IJsselmeer gehen. Zuvor gilt es, Lütt Matten zentimeterweise aus dem Liegeplatz zu bugsieren, denn die Werft hatte das Boot in eine völlig ungeeignete Box gepresst. Aber alles geht gut. Durch kräftiges Wegdrücken der Pfähle bleibt Matten unbeschadet.

Noch unterstützt uns der Flautenschieber, enge Fahrrinnen und den Wind genau auf die Nase verhindern das erste Segelsetzen. Der Diesel tuckert gleichmäßig und beruhigend, nervt aber trotzdem, wenn man eigentlich segeln möchte. Gegen 11 Uhr passieren wir die Schleuse Kornwerder.

Zu dritt ist das Händling kein Problem. Willkommen im Salzwasser. Noch eine Stunde schlängeln wir uns durch die Fahrrinnen des Wattenmeeres. Ich sende mit drei ordentlichen Hieben Sherry einen ersten Gruß an Rasmus – mehr aus Tradition als tatsächlicher Glaube. Kurze und steile Wellen, die entstehen wenn Wind und Gezeitenströmung aufeinandertreffen, lassen Matten immer wieder bockig springen.

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Ab Höhe Harlingen setzen wir das Groß und bringen so etwas mehr Stabilität ins Boot. Der Motor läuft noch immer. Rrr

Wir verlassen bei mitlaufender Gezeit zwischen Vlieland und Terschelling das niederländische Wattenmeer, schlagen einen ordentlichen Hacken und sind nun auf offener See.

Bei 15 bis 18 Knoten Wind aus nordwestlicher Richtung können wir endlich den Motor ruhigstellen. Vorsegel raus. Ungerefft nimmt Lütt Matten ordentlich Fahrt auf. Nach viel Trimmerei an den Segelstellungen durch Matai und Gerard übernimmt der Autopilot das Ruder. Die Logge zeigt kontinuierlich mehr als 8 Knoten. Begleitet nur vom Wellenrauschen wird mir bewußt, dass wir unterwegs sind. Manno, wie lange habe ich davongeträumt.

Die Luft schmeckt salzig.  Ich höre vorsichtig auf meinen Magen. Die langen und hohen Wellen der Nordsee sind gut zu ertragen. Bisher habe ich keine Erfahrung mit Seekrankheit und hoffe, dass es so bleibt. Hm, kein Grummeln oder mulmiges Gefühl. Auch das Abendessen schmeckt. Wir einigen uns auf einen 3-Stunden-Rhythmus bei den Wachen. Wind und Welle nehmen etwas zu. Brechende Wellen finden ihren Weg ins Cockpit. Das Land ist nur noch schemenhaft zu erkennen. Doch nichts ist beängstigend. Gerard legt sich in seine Koje. Auch wenn meine Wache erst um 2 Uhr beginnt, möchte ich den Augenblick lieber genießen und gehe gemeinsam mit Matai und Lütt Matten in die erste Nacht. Wolken verhindern einen zu meinem Glück passenden Sonnenuntergang.

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