REEDS, Bibelstudium und Kopfzerbrechen

Der geneigte Leser wird sich noch an den 15-Euro-man erinnern, der mir auf dem Weg von Hindeloopen nach Warnemünde seine „Bibel“ für Segler schenkte. Die stellte sich damals als ein einziges Anzeigenkonvolut für private Marinas heraus und sorgte für den Rest des Törns immer wieder für heftige Lachanfälle.

Nun, wenn man überhaupt von einer „Bibel für Segler“ sprechen will, so trifft dies in unseren Breitengraden wohl mehr auf den REEDS zu. Diesen Wälzer wollte ich mir zu Weihnachten gönnen und orderte diesen über den Buchhändler meines Vertrauens vor Ort. Ich bemühe mich, soweit es auf dem platten Lande möglich ist, noch nach alter Schule einzukaufen. Bei neuen Büchern und Seekarten entfällt eh das Argument des Schnäppchenpreises. Also, 17 Uhr bestellt und am Folgetag ab 9 Uhr abholbereit. Mir hätten 5 Tage als Lieferzeit völlig gereicht.

Den Besuch der Buchhandlung erledigte ich mit meiner auf weihnachtlichem Besuch befindlichen Mutter. Unwissend, ob der Thematik des REEDS, übernahm sie großherzig die Bezahlung und entzog mir sofort den Wälzer, den sie mir dann unter den Christbaum legen wollte. Erst, als ich meiner stets besorgten Mutter den Inhalt der über 1000seitigen Schwarte grob umriss, war sie nicht mehr ganz so glücklich über ihr Geschenk an mich.

REEDS – Nautical Almanach – Atlantic Europe from the tip of Denmark to Gibraltar, includes Madeira and Azores. So lautet der vollständige Titel, der damit die mütterlichen Ängste wohl begreiflicher macht.

Der Beschenkte betreibt nunmehr fleißiges „Bibelstudium“ und träumt sich durch englischsprachige Revierbeschreibungen, Gezeitentabellen und Strömungskarten. We will see…

Ein ganz anderes Geschenk bereitet mir schon jetzt Kopfzerbrechen. Einer meiner Söhne katapultiert mich mit seinem Weihnachtsgeschenk in eine alte Zeit zurück. Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts trug in Rostock die väterliche Generation häufig eine Prinz-Heinrich-Mütze, weniger aus modischen als vielmehr aus Gründen der Sympathie mit Helmut Schmidt. Aber das haben wir als Kinder damals nicht verstanden und fanden die Kopfbedeckung einfach nur spießig.

Nun bin ich also mit einer solchen, wenn auch modifizierten Elbsegler-Ausführung mit Lütt-Matten-Schriftzug beschenkt worden. Manno, in welche Generation werden wir jetzt schon einsortiert! Zusätzlich wurde ich dazu verdonnert, mit dieser grandios verjüngenden Kappe ein Video zu drehen. Dann erhalten meine Erklärbär-Videos endgültig den Tegtmeyer-Touch (kennt den noch jemand?).

Ahoi

Elbsegler 450x600 - REEDS, Bibelstudium und Kopfzerbrechen