Adenauer hat einen Knacks weg

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Adenauer hat einen Knacks weg, die Mikrowelle auch. Aber dazu später mehr

Unkoordiniertes Gequake

Der Abend ist geruhsam. Nur eine leichte östliche Brise läßt Mattens Heck im gleichmäßigen Takt singen. Plitsch Platsch Plitsch Plitsch Platsch. Anders sieht es mit meinen Vorbereitungen für den morgigen Tag aus. Das Trinkwasser ist auch nach mehrmaligem Spülen ungenießbar und der Kaffee landet nach zwei Schlucken im Ausguß. Der zweite Brühversuch gelingt, diesmal mittels meiner stillen Vorräte aus Mattens Schapps. UV-Schutz der Genua runter und die Schoten anschlagen. Rundgang mit Splintkontrolle und Riggcheck. Nervig wird das Ziehen der Wetterdaten, die, je nach Quelle mal wieder völlig unterschiedlichste Windstärken prognostizieren. Zwei rechnen mit maximal 2-3 Bft. , die dritte verspricht 4-5 Bft.  Ich ziehe eine vierte Quelle zu Rate, die wieder nur von leichten Winden aus unterschiedlichen Richtungen spricht. Klasse. Können die Wetterfrösche nicht mal mit einer Stimme quaken? Am Ende stelle ich ratlos den Wecker auf halb Sechs und vertage die Törnplanung auf morgen. 

Noch vor dem nervigen Weckerklingeln finde ich aus den Federn und stecke meinen Kopf aus der Luke. Hm, das sind dann wohl nur 1-2 Bft. aus südöstlicher Richtung. Kaffeekochen, Landstrom kappen und den Motor anschmeißen. Mein einsamer Ableger gelingt mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages und leichtem Wind im Rücken gut.

Alle Wetterfrösche hatten Recht

Draußen empfängt mich ein kaum segelbarer Wind. Trotzdem ziehe ich beide Segel raus und dümpel mit einem Spitzenwert von 2,5 Knoten gen Nordosten. Ich besiege meine Faulheit und verstaue die Fender und atme durch. Meine momentane Ankunftszeit liegt jetzt bei 14 Uhr, also morgen 14 Uhr. Wenigstens die Sonne vertreibt die morgendliche Kälte. Ich fummel nervös an den Segeln, denn von Achtern kommt ein ca. 27füßiges Segelboot bedrohlich schnell näher, und das nur mit Groß und ohne Vorsegel. Ich bin schon fast am verzweifeln, als sich das Rätsel des peinlichen Geschwindigkeitsunterschiedes auflöst. Die zwei jungen Segler fahren unter Motor und etwas provokant nur gute 10 Meter an meiner Steuerbordseite vorbei. Uff, meine Seglerehre ist gerettet. Nach zwei Stunden und gut 4 Seemeilen gebe ich mein Tagesziel auf. Wende fahren und zurück. Kurz vor dem Seekanal geht dann plötzlich die Post ab. Kompletter Winddreher. Der scheinbare Wind geht auf 10 Knoten, 15 Knoten und schließlich 20 Knoten. Matten macht einen Satz und springt auf knappe 7 Knoten Fahrtgeschwindigkeit. Ich mache das Groß auf, denn da ist mir jetzt zu viel Druck drin. Auch die Genua verkleinere ich und ziehe sie am Ende ganz rein. Vor der Marina habe ich zu kämpfen, das Groß einzuholen. Fender raus und erst kurz vor der Hafeneinfahrt die Festmacherleinen vorbereiten. Bin ja lernfähig. Der Anleger ist dann eine Challenge. Klar, bei diesem Wind muss ich mit mehr Bums in die Box. Den Luvpfosten verpasse ich. Mist. Matten stellt sich etwas quer und ich muss mit dem Bugstrahler korrigieren. Glücklicherweise steht am Steg ein freundlicher Mann, der mir einen Festmacher abnimmt. Schnell springe ich zurück und hangel mich an den verpaßten Luvpfosten. Die Leine liegt und ich dampfe, wie gewohnt in die Achterleinen ein. Doch irgendetwas stimmt nicht. Ich touchiere den Steg, was ja eigentlich nicht sein kann. Die Luvleine ist wieder vom Pfosten gesprungen! Wie geht denn das? Wieder liege ich quer und muss mich mühsam an den Leinenverweigerer ranziehen. Der gute Mann am Steg hat Geduld. So, nun habe ich aber gewonnen. Das Eindampfen klappt jetzt und der Rest geht, wenn auch mit etwas mehr Motorkraft, komplikationslos über den Steg. Erst jetzt sehe ich, dass der Adenauer während des vermaledeiten Anlegers einen Knacks bekommen hat und nunmehr 5 cm kürzer ist. Wieder etwas gelernt:  Den Adenauer vor dem Anleger einholen. 

Ich atme jetzt erstmal tief durch, gönne mir ein Anlegerbier. Bei diesem Wind sicher in die Box zu finden, war dann doch noch einmal eine andere Nummer. Mittlerweile pfeift der Wind gehörig und die Sonne ist verschwunden. Also im Prinzip haben dann alle Windvorhersagen gestimmt, bloß nicht zu den richtigen Zeiten. 

Hafennachmittag

Nach dem morgendlichen Kurztörn ist die Koje der Ort, den ich jetzt brauche. Nach zwei Stunden Tiefschlaf rappel ich mich auf, das Trinkwasserproblem zu lösen. Nach mehrmaligem Spülen des Wassertanks schmeckt dann auch wieder der Kaffee. Nächstes Problem ist ein eigenartiges Knistern, das die Mikrowelle im Standbybetrieb verursacht. So ganz geheuer ist mir das nicht. Kabelbrand? Ich baue die bisher kaum genutze Kiste aus und recherchiere im Internetz. Dort gehen die Empfehlungen von „ist ganz normal“ bis „sofort abklemmen“. Ich entscheide mich für letzteres. Leider scheint es auch beim Hersteller selbst geknistert zu haben. Jedenfalls ist seit 2009 die Firma nicht mehr existent. Ich wuchte die Mikrowelle von Bord und werde versuchen, in heimatlichen Gefilden eine Lösung zu finden. Was geht eigentlich nicht auf einem Boot kaputt?

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Den Abend verbringe ich mit Baumübungen. Nein, damit ist nicht eine Wiederholung meines kürzlichen Apfelbaumkahlschnittes gemeint, der nunmehr als einsamer Pfosten im Garten steht. Ich versuche, ein System zum sogenannten Ausbaumen der Genua zu finden. Konkrete Anleitungen fehlen, sowohl in meiner Segelausbildung als auch bei Google. Also ziehe ich unterschiedliche Leinen zum Spibaum, teste das Handling beim Segelsetzen und bin am Ende mit meiner Lösung ganz zufrieden. Wie das ganze während des Segeln selbst funktioniert, werde ich später herausfinden.

So, das war mein Tag, der leider wieder in der Marina in Warnemünde endet. Mittlerweile tendiert der Wind auch wieder gegen Null, anders als meine Laune. Die ist immer noch gut. Mal sehen, was morgen (kaputt) geht.

Ahoi 

 

 

Ein Gedanke zu „Adenauer hat einen Knacks weg“

  1. Hallo Stefan, bin nach Deinen Youtube Videos auch auf der Homepage gelandet und finde sie einfach toll. Gut gemachter Blog, schön geschrieben und vereint all das, was mir auch ständig durch den Kopf geht. Habe auch als Segelbegeisterter meinen SKS in Kiel gemacht und war nach Kurzcharter auf dem Ijsselmeer auf einer Bav31, wo sich herausstellte, das Segeln nichts für meine Frau ist, vom 05.05.bis 12.05. Auf einer Delphia29 von Travemünde aus einhand unterwegs. Wie Du die ganze Woche fast kein segelbarer Wind, nur von Heiligenhafen nach Kühlungsborn hatte ich kurz 20kn hoch am Wind. Auch mich beschäftigt die Frage des Genuaausbaumens, gerade gestern habe ich gegoogelt und Youtube bemüht, ohne richtigen Erfolg. Da ich leider in Franken lebe, ist ein eigenes Boot wertlos für mich, denn zum Wasser sind es immer 600km. Bin Ende Sep 2018 mit einer Bav34 auf dem Ijsselmmer unterwegs und werde die Delphia29 nächsten Mai wieder chartern, wieder einhand, soll dann von Travemünde über Rügen nach Bornholm gehen. Wäre toll, wenn ich die Lütt Matten mal treffen würde, vielleicht liegt sie Anfang Mai 2019 ja noch in Hohe Düne;-))
    Stehts fair winds wünsche ich und freue mich auf neue Videos und Blogeinträge. Gruss aus dem Raum Würzburg….

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