Bis ans Ende der Welt

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Schneeregen in Puerto Natales. Die nächste Panadería (Bäckerei) zu finden, gleicht einem kleinen Stadtrundgang. Zum Frühstück erscheinen alle mit klarem Kopf. Die 1,5 Liter Wein, diesmal aus der Flasche, gestalteten das gestrige Kartenspiel flüssig und mit tiefschürfenden Einlassungen. „Im hellen ist Nacktsein viel schöner.“ und „Deine Zeit ist abgelaufen.“ gehörten zu den Lachnummern des Abends. Wir haben auch nach fast einem Monat gemeinsamen Unterwegssein unseren Spaß.

Nach der routinemäßigen Staubnummer (Koffereintüten) fährt uns Andreas auf die „Ruta del Fin del Mundo“, die Straße zum Ende der Welt. Die Anden geraten außer Sichtweite. Die Landschaft ähnelt wieder der Pampa, ist vielleicht etwas grüner und weniger weitläufig. An einem Raststation treffen wir einen Truppe Motorradfahrer, zumeist Amerikaner. Sie haben, so wie wir, einen Regenguß gerade hinter sich. Nur wir saßen dabei trocken und warm im Auto. Wie der Guide der überwiegend US-amerikanischen Jungs berichtet, hatten sie seit zwei Wochen wenig Sonne, Schnee und viel Regen. Wie glücklich können wir da über unser Reisewetter sein. Zusätzlichen Frust bereitet den Amis die Trump-Wahl. Das macht sie mir gleich sympathisch. Wir klönen noch kurz bei Kaffee (Uli und ich), Eis(Andreas!) und Zigarette (d.A.) und biegen wenige hundert Meter später rechts ab auf eine Schotterpiste.

Diese unbefestigten Straßen mögen wir inzwischen. Hier läßt sich viel mehr entdecken. Neben den allgegenwärtigen Schafen sichten wir Flamingos, Bussarde, aber auch uns bisher unbekannte Vögel.

Eigentliche Tagesaufgabe für uns war die Suche nach den hier in großen Kolonien lebenden Frackträgern. Zwei dieser (Kolonien) lassen sich nur per Boot ansteuern. Die dritte versuchen wir per Auto zu erreichen. Wie uns Erik, ein sehr freundlicher Chilene und Guide schon in Torres del Paine berichtete, wurde vor wenigen Jahren direkt neben dieser Kolonie eine Erzmine erschlossen, die den Fjord mit Arsen und anderen Chemikalien vergiftet. Seither schrumpft die Pinguinpopulation drastisch. Deshalb öffnet man das Naturreservat auch erst im Dezember. Wir versuchen trotzdem, Zugang zu finden, müssen aber vor einem verschlossenen Tor aufgeben. Eine Umgehung der Umzäunung endet an einem Strand mit „idyllischen“Sommerresidenzen.

Wir streichen endgültige die Segel und vertagen die Pinguinsuche auf morgen. Wir fahren weiter Richtung Punta Arenas und erreichen den atlantischen Fjord. Nur wenige Kilometer trennen hier zwei Weltmeere. Ein kurze Strandbesuch bildet die letzte Zwischenstation unserer Reise zum Ende der Welt. Die Cabaña ist schnell gefunden. Einen ersten Stadtbesuch nutzen wir zur Orientierung. Punta Arenas soll die schönste und südlichste Kontinentalstadt Chiles sein. Wir sehen einige prächtige Stadthäuser und die grüne Plaza. Hier küßt Uli beherzt die Füße eines fremden Mannes und soll damit ein Garantie erhalten, nach Patagonien zurückzukehren. Die blankgelutschten Zehen der Bronzefigur zeugen von diesem Aberglauben.

Mehr von Punta Arenas wollen wir morgen entdecken. Nach 18 Uhr schließen hier viele Läden. Schnell suchen wir ein noch offenes Touristikbüro und buchen für morgen unsere Tour. Zum Abendbrot kocht Andreas uns einen patagonischen Spinattopf, den es so auch in der Oberlausitz geben könnte. Lecker, lecker. Nun schnell in die Koje. Es geht morgen früh raus.

 

 

 

 

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