boot 2018 in Düsseldorf, Tag 1

Noch vor 10 Uhr durchschreite ich die Messeschleuse der boot 2018 und steuere gleich Halle 10 und 11 an. Noch hält sich die Besucherzahl in Grenzen und die Gänge der einzelnen Stände lassen sich leicht queren. Die exklusiven Segel- und Motorboote lasse ich ignorant rechts liegen. Mattens 36 Füße (Mattens Bootslänge beträgt 36 Fuß = 11 m ) reichen mir für mein ganz persönliches Luxusleben. Die PS-Giganten von VolvoPenta und Co bleiben ebenfalls ungesehen auf der Strecke, auch wenn ein einzelner Kommentator dieses Blogs mich immer wieder zur PS-Aufrüstung auffordert. Warum eigentlich? Mich interessieren insbesondere die angebotenen Seminare.

Mir geht kein Licht auf

Die richtige Ausleuchtung per LED als Thema nehme ich gleich mal so mit. Die zu dieser frühen Stunde noch schlecht besuchte Darbietung ist zumindest für mich wenig erleuchtend. Auch die lockere Moderation durch den in der Seglerszene bekannten Bastian Hauck ändert daran nichts.

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Einziger Erkenntnisgewinn ist der Ratschlag, beim Verkauf eines Bootes für ausreichend Helligkeit zu sorgen. Damit wirke alles viel größer und es ließe sich ein höherer Verkaufspreis erzielen. Da ich ja nun mal erst vor knapp zwei Jahren stolzer Eigner von Matten geworden bin, steht ein Verkauf eh nicht an, Mattens Leuchten sind schon LED-stromsparend und ich verzichte auf eine zusätzliche Lichtflutung an Decken und Schapps. Die von meinem Schwager gesponserte Outdoor-Kerzenfunzel reicht völlig für ein romantisches Ambiente im Salon.

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Bootsmann-Naht und runde Flicken

Es folgt ein “Workshop“ zum Mitmachen. Bootsmann-Naht und Anbringen von Klebeflicken. Könnte interessant sein. Die Naht bleibt jedoch vom Workshoper unerwähnt und ungenäht. Einzig zwei rote Reparatur-Folien dürfen rund (nicht eckig!) zugeschnitten und auf einen künstlich erzeugten Riß in einen alten Spi raufgepappt werden. Immerhin, ich weiß jetzt, dass für Spinnaker eine gesonderte Reparaturfolie zu verwenden ist, bei der man auf die richtige Lage des Gewebes achten soll und, wie schon erwähnt, die Ecken des Flicken abrunden soll. Aber das hatte ich schon als junger Spunt beim Schlauchflicken meines Fahrrades drauf.

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Ein Mann geht nicht über Bord

Es folgt ein folienbegleitetes Sinnieren über ein ungewolltes Überbordgehen bzw. – fallen. Viele angebotene und fast sämtliche serienmäßig verbauten Systeme seien untauglich, auch die in Mattens Heck implementierte Strippenleiter, eine POB wieder an Bord zu bringen. POB (Person über Bord) und nicht MOB (Mann über Bord) deshalb, weil jede Frau ganz neidisch wäre, in diesem (Überbord-)Fall keine Berücksichtigung zu finden. Also bitte beim Brüllen im Ernstfall immer schön korrekt bleiben, ansonsten wird ein “Mann über Bord“- Ruf von mitsegelnden Frauen schnell ignoriert.
Zurück zum Vortrag. Allein und ohne Aufklappen der Badeplattform durch eine zweite Person bestehe Null-Chance auf Rettung. Einziger Ausweg wäre die Installation einer klappbaren und entsprechend langen Leiter am Heck, die es natürlich am Stand des Referenten käuflich zu erwerben gibt. Aber das sehe ich ihm gerne nach und denke mal über den Überbordfall nach. Der Gedankenanstoß des Referenten ist vielleicht lebensrettend.

Eine bessere Ankerformel und stimmiges Wetter an Bord

Nunmehr kann ich die Superyachten nicht mehr ignorieren, denn der Ort des nachfolgenden Geschehens befindet sich mittendrin zwischen den 50 bis 60 Füßlern. Die Zeitschrift Yacht bietet ebenfalls Kurzvorträge an, läßt aber leider viele Interessenten unbestuhlt stehen. Der blauwässrige Söhnke Roever (www.blauwasser.de) referiert praxisnah über das richtige Ankern. Einprägsam ist seine, vom SKS-Wissen abweichende Ankerkettenformel: 30 m Kette am Boden plus ca. 5 m Kette schwebend plus Wassertiefe, also 35+WT. Die Begründung des erfahrenen Weltumseglers klingt plausibel, denn bei 2m Wassertiefe seien nach gängiger Faustregel nur 6 bis 10m Kette zu stecken. Hinzu kommen noch viele weitere praxisbewährte Hinweise, die ich mir hoffentlich gut einpräge. Fazit des Vortrages: absolut lohnenswert

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Abschluß meines heutigen Lehrpfades durch die Messehallen bildet das Wetter. Das kann der Referent von wetterwelt.de zwar auch nicht besser machen, aber zumindest gut erklären. Inwieweit seine Prognosen besser sind, als die bisher von mir präferierten, werde ich in der neuen Saison testen. Der Service scheint aber nicht kostenlos zu sein. Aber was gut ist, kann ja auch belohnt sein.

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Meine rettende Insel

… ist zunächst eine Imbissbude, die meinen akuten Flüssigkeitsbedarf mittels 3,50-Euro-Flaschenbier kurzfristig decken kann. Dann folge ich meinem vorab erstellten Laufzettel und steuere ein ganz anderes Eiland an. Die Rettungsinsel auf Lütt Matten namens Plastimo habe ich vor zwei Jahren erstanden. Gott sei Dank bestand für sie bisher nie Grund, sich entfalten müssen. Heute ich will mir das Ding einmal aufgeblasen genauer zeigen lassen.

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Eine sehr engagierte Dame am Bukh-Stand nimmt sich viel Zeit für mich. Bukh kannte ich bisher nur als Bremer Motorschmiede. Dass diese Firma in Zeiten von Investmentfonds zum Importeur und Grossisten mutierte und auch Rettungsinseln vertreibt, war mir neu. Hinter den Sätzen der sehr freundlichen Frau war deutlich Kritik an ständigen Besitzer- und Strategiewechseln zu vernehmen. Aber immerhin, die Garantiezeit für alle Inseln ab Baujahr 2011 wurde von Bukh auf 18 Jahre verlängert, vermeidet aber nicht die recht teuren dreijährlichen Revisionen. Die Rettungsinsel ist schließlich ausführlich erklärt und meine Installation am Heckkorb als beste Lösung qualifiziert. Vielen Dank.

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Rettungsinsel
Der Traum vom Leichtwindsegel

Mich treibt es nun zu den Leichtwindsegeln. Derartiges Segeltuch fehlt auf Matten gänzlich. Parasailor, CodeZero, Blister etc. Wie erwartet, läßt sich der geniale Parasailor auch auf dieser Messe nicht zum Schnäppchenpreis erstehen und wird ein Traum bleiben, abgesehen von dem zusätzlich notwendigen Bergeschlauch. Ich muss ja sehen, wie ich so ein Fußballfeld großes Stück Stoff alleine hoch und wieder runter bekomme. Aber vielleicht gibt es noch eine andere, preiswertere Lösung. Oder ich dümpel bei Leichtwind weiter vor mich hin. Für die eingesparten Tausender (mehrere!) kann man sich ruhig mal vortriebslos treiben lassen. Außerdem, was man nicht hat, kann nicht kaputt gehen oder sich unkontrolliert um das Vorstag wickeln. Schönreden oder Vermeidungsstrategie nennt man das wohl. Aber zugegebenermaßen wird das Thema weiter auf meinem Zettel stehen bleiben.

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What lies eastwards?

Ich lasse mich weiter durch die Messehallen treiben. Die Füße melden ersten Protest an. Ich erreiche einen Stand, der mit der Frage, was ostwärts liegt, Neugierde erzeugt, zumal ich in diese Himmelsrichtung plane und mit dem letztjährigen Danzig-Törn einen Anfang gefunden habe. Jedenfalls haben sich Tourismusstrategen aus Vorpommern, Polen, Bornholm und dem Baltikum zu South Coast Baltic zusammengetan und präsentieren auf einem gemeinsamen Stand bisher weniger frequentierte Destinationen. Ich komme mit einer lettischen Dame länger ins Gespräch, die meine Fragen zu eventuellen Einreiseformalitäten, anlaufbaren Häfen ausführlichst beantwortet. Das Willkommenheißen der freundlichen Frau bestärkt mich in meinem Vorhaben. Obendrauf gibt es kostenlos einen guten Hafenführer. What lies eastwards?  Wie ich erfahren habe, viel Lohnenswertes.

So, für heute reicht es. Eine Stunde vor Toreschluß verlasse ich im Schlängellauf die Messehallen, deren Gänge längst von ameisenähnlichen Menschenkolonnen gefüllt sind. Am Abend genieße ich in einer örtlichen Kneipe mein Feierabendbier und bin froh, dass ich lieber ein gepflegtes Pils als ein Kölsch verlangt habe. Die Meisterin des Zapfhahnes gibt mir zu verstehen, dass ich ansonsten hier mit einer Revolte hätte rechnen müssen. Am Ende werde ich von einem mir gegenübersitzenden Barhocker (ich bin auch einer, denn alle Plätze an den Tischen sind an diesem normalen Montag besetzt!) noch mit der Frage, ob ich ein Boot gekauft hätte, als Segler und Messebesucher enttarnt. Warum eigentlich?

Ahoi

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