Die Bootssuche

img 0522 1 150x150 - Die BootssucheDie Bootssuche gehörte sicher zu den schönsten, aber auch schwierigsten Dingen auf dem Weg meiner Traumverwirklichung. Sie war mit Zweifeln und Rückschlägen verbunden und barg auch Risiken.

Klar. Der Kauf eines Segelbootes ist immer eine Bauchentscheidung. Ich glaube, das muss auch so sein. Rein kopfgesteuert sollte man lieber ein Boot bedarfsgerecht chartern, eine vernünftige Überlegung auch meiner Frau, die für mich aber nur halbherzig gewesen wäre. Schon wenige Tage nach dem Kauf, Lütt Matten war da noch unter „falschem Namen“ registriert, wurde das Boot Teil der Familie. Oder gibt jemand seinem Auto einen Namen?

Es existieren viele Artikel und Empfehlungen zum Bootskauf. Und doch habe ich es ganz anders und mit Glauben an das Gute im Menschen gemacht. Wichtig für mich war das Festlegen von Prämissen, auch wenn diese sich immer wieder ändern sollten.

Ganz schlecht, aber auch wieder gut im Dschungel der Angebote, war für mich der Traum vom  blauen Segelboot. Fest stand, das Boot sollte einhandtauglich sein, denn nicht immer wird sich kurzfristig eine Crew zusammenstellen lassen. Und hier fing schon das Dilemma an. Einhand ein Boot zu beherrschen, insbesondere bei Hafenmanövern, beschränkt die Größe. Doch was ist, wenn dann doch die Familie an Bord kommen will?  Ich habe mich dann auf eine Länge zwischen 32 und 36 Fuss eingelassen. Entscheidender schien mir, dass ich alle Fallen,Schoten sowie den Anker aus dem Cockpit bedienen kann. Auch trotz aller in den Internetforen geführten Diskussionen zum Groß habe ich mich letztlich auch für ein Rollgroß entschieden. Das einfache Handling beim letzten Törn mit selbigem hat mich da einfach überzeugt. Ich zähle mich sowieso mehr zu den Wohlfühl-Seglern. Ich muss mich nicht mit dem letzten Trimm (kann ich sowieso nicht) und auf der letzten Rille beweisen. Sicher und ohne Fischfutterspende ankommen ist eher mein Ding.

Nächster Punkt war das Alter des Bootes. Mit meinen guten Erfahrungen beim Gebrauchtwagenkauf (hier paßt vielleicht mal der Vergleich) stand fest, den Wertverlust eines Neubootes in den ersten Jahren wollte ich mir ersparen. Ein Seelenverkäufer, der bei notwendigen Reparaturen den Kaufpreis verdoppeln würde, kam auch nicht in Frage. Also, maximales Alter sollte 5 Jahre sein.

Teakdeck war nicht gewünscht, da mich dessen Pflegeaufwand einfach schreckte. Heizung wäre gut, die Ostsee ist nicht gerade ein Blauwassergebiet. Mittelklampen, ausreichend dimensionierter Diesel- und Trinkwassertank und kräftiger Flautenschieber zählten dann wieder zu den Soll-sein-Dingen.

Tiefgang. Wieder eine Frage, bei der ich ins Schwanken gekommen bin. 1,56m gibt mehr Freiheit in der Auswahl der Reviere und Häfen. 1,90m lassen mich höher an den Wind gehen und schienen mir dann doch die bessere und sichere Wahl. Spätestens bei der ersten Grundberührung werde ich dann meine Entscheidung nochmal anzweifeln.

Nach einer elenden Suche in einschlägigen Bootsbörsen führte mich dann der Weg nach Greifswald. Dort stand eine Charteryacht mit passabler Ausrüstung,  aber einigen Macken. Vielleicht lag es an der lieblosen Vorbereitung des Maklers, der defekten Winsch, dem Ablaufdatum der Sicherheitsausrüstung, den Rissen im Gelcoat an den Reelingstützen, der schemenhaft erkennbaren weißen Rumpffarbe, mein Bauch sagte gleich nein.

Eine blaue Hanse 37. Charteryacht mit neuem Mast und Rigg. Da ist wohl mal was runter gekommen. Alter und Preis (auch abzüglich des irren Verhandlungsspielraumes) sind  jenseits meiner Vorstellungen. Die Anzeige steht auch schon ewig im Netz. Gleich mal eine Frage an dieser Stelle: Warum können  Makler nicht gleich den annähernd wahren Verkaufspreis inserieren? Ich brauche nicht das Glückgefühl, einen super Deal gemacht zu haben.  Oder laufen da soviel dumme Käufer rum, die ohne Nachfrage den Listenpreis löhnen.

Bavaria 33, Eigneryacht. Ja, die hätte es sein können, wenn der Verkäufer nicht ständig keine Zeit für eine Besichtigung der Yacht gehabt hätte. Die Wochen des Wartens war dann aber gut. Zwischenzeitlich habe ich mich dann doch für Rollgroß und einen größeren Tiefgang entschieden. Und die 33 Fuß schienen mir dann auch wieder zu klein. Und überhaupt, das Boot war nicht blau!

April, es wurde eng mit dem eigenen Boot. Also dehnte ich meine Suche auf die Niederlande aus. Und da war sie dann! Alles paßte. 36 Fuß, blauer Rumpf (!!) , 1,90 Tiefgang, Baujahr 2011. Gut, die Ankerwinsch fehlte, läßt sich aber nachrüsten. Beim ersten Besichtigungstermin mit ausführlichem Abarbeiten meiner Checkliste war meine Entscheidung schon gefallen. Nachdem ich einen Preis, der kräftig abseits vom Listenpreis lag, in den Maklerraum warf und dieser nicht gleich eine grundsätzliche Abwehr erzeugte, ging dann alles ganz schnell. Die Schmerzgrenze schien ich mit meinem Preisvorschlag beim Verkäufer zwar überschritten zu haben, wir einigten uns dann etwas über meinem Fantasiepreis, gab mir aber das Gefühl, nichts verschenkt zu haben. Und angesichts der fehlenden Ankerwinsch und Rettungsinsel war dann mein schmerzfreies Runterhandeln auch nicht mehr ungerechtfertigt. Einzig der Bootsname war eine Katastrophe (Entschuldigung an den alten Eigner). Jedenfalls fand auch der Werfbesitzer, die wichtigste Maßnahme sei ein „renaming“ und war ganz glücklich, als ich ihm zustimmte.

 

2 Gedanken zu „Die Bootssuche“

  1. Hallo Stefan,
    mit großem Interesse habe ich Deine Seite durchstöbert und mir deine sympathischen, informativen Videos angesehen und die Berichte gelesen
    Auch ich bin dabei mir ein gebrauchtes Schiff zu suchen und wollte Dich mal fragen was Du so aus Deinen gemachten Erfahrungen schätzt um wie viel % sich der Spielraum bei den Angeboten im Preis bewegt.
    Vielen Dank im voraus.
    Beste Grüße
    Karsten Schill

    1. Also bei Lütt Matten lag die Differenz bei ca. 15%. Du wirst bei Charterbooten sicher noch mehr rausschlagen können. Also, mache dem Makler bzw. Verkäufer ein Angebot mindestens 20 % unter dem Anzeigenpreis und warte ab was passiert. Ich lag bei meiner ersten Offerte scheinbar unterhalb der Schmerzgrenze. Das machte aber nichts. Man kann ja sein Kaufangebot immer noch nachbesser. Blöder wäre es, wenn man dein Angebot gleich akzeptiert. Da bleibt immer das ungute Gefühl, das man zuviel bezahlt hat.
      Ich hoffe, ich habe deine Frage beantworten können.
      Ahoi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.