Drei sind Einer zu wenig

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Das verlängerte Wochenende mit unserer Nachbarin und Freundin Grit war schon lange geplant. Nur Andreas fehlt in unserer fröhlichen Runde. Der befindet sich mit seinem Fahrrad auf Südkurs weg vom Nordkap. Oder war es der Nordpol?  Ohne Stau meistern wir drei die 420 km nach Warnemünde und genießen noch am Donnerstag den etwas verspäteten Sundownder. Noch herrscht Ruhe in Warnemünde. Das wird sich in den kommenden Tagen mit der Hansesail ändern. Laut Seewetterbericht soll es am Freitag ordentlich kacheln. Durch die unzuverläßlichen Vorhersagen der letzten Törns vorgewarnt, nutze ich die eigenen Sinne und laufe lieber 100 m zur Mole. Auch wenn ablandiger Wind weht, das Wellenbild entspricht wohl mehr 3 Bft. Auch am Horizont sind keine Wolkenfelder sichtbar, die einen Starkwind mit 7er Böen ankündigen würden. Also Leinen los und mit vollem Segelkleid einen ersten Schnuppertörn gewagt. Uns begleiten viele alte Segler, die im Rahmen der Hansesail Rostock ansteuern. Zeitweise fühlt man sich in ein vergangenes Jahrhundert versetzt.
Am Sonnabend erreicht uns dann der angekündigte Starkwind mit leichten Regenschauern. Wir lassen Matten in der sicheren Box, satteln die Drahtesel und steuern mit Kurs ONO Wustrow an. Mit leckeren Fischbrötchen stärken wir uns in Graal-Müritz und laufen schon bald mit ordentlichem Rückenwind in Wustrow ein. Wir ahnen schon, dass der Rückweg von uns mehr abverlangen wird und verzichten auf die restlichen 4km Richtung Ahrenshoop. Der „frische“ Tiefkühlkuchen an der Wustrower Seebbrücke bringt dann nicht den erhofften Motivationsschub. So basteln wir uns feixend ein Etmal von 90 sm (180km, 60km je Fahrrad) mit wahnsinnigen 10 Höhenmetern. Dieses“Rekordergebnis“ wollen wir Andreas präsentieren. Die Aussicht, das Tagesergebnis von Andreas zu toppen (wenn auch geschummelt) bringt neuen Schwung in die Pedale. Mit jedem Kilometer gegenan wächst unser Respekt vor der Halbumrundung Europas, die Grits Mann mit Gepäck bei viel Regen und Wind aus der stets falschen Richtung demnächst vollenden wird. Nach unserem Kampf gegen Wind und mangelnde Kondition steht für mich fest: Seebeine taugen nicht für Pedale. Knoblauchtriefendes und leckeres Aglio olio hilft uns schnell auf die Beine. Nur die Bass-wummernden Partyboote auf der Warnow trüben die abendliche Stimmung. Jetzt verstehe ich, warum die Marina an diesem Wochenende unerwartet wenig Betriebsamkeit zeigt. Das hat nichts mit Segeln zu tun. Ballermann läßt grüßen. Ein wenig entschädigt werden wir mit einem Feuerwerk der Hansesail.

Sonntag. Die gleiche Prozedur: Molenblick und die angesagten 5-6Bft. sind nicht in Sicht. Also raus und Mattens Nase gen Osten. Nur mit Vorsegel dümpeln wird gemütlich mit 3 bis 4 Knoten an der Fahrinne entlang und genießen den Blick auf majestätisch dahingleitende 3- und 4-Master. Grit geht ans Ruder, steuert uns weiter gen Norden. Nach einer Wende in westliche Richtung rollt Matten etwas stärker. Die alte Dünung des gestrigen Starkwindes erzeugt bei Uli leichtes Unwohlsein. So drehen wir nach schönem Sonnensegeln bei. Mit dem Rest-Aglio-olio des Vortages belohnen wir uns selbst und lassen es Sonntag sein. Die Krönung des Tages ist Grits Einladung zum Fischessen. Bei schönstem Terrassenblick auf den Alten Strom genießen wir Wein und leckere Scholle. Der Sundowner gibt uns dann die Bettschwere für einen tiefen und ruhigen Schlaf auf Lütt Matten.

Montag. Wir packen in Ruhe unsere Seesäcke und treten die Heimreise an. Ein schwer Unfall 200 m vor uns verlängert unsere Fahrt kräftig. Bei aller Warterei im Stau sind wir froh, gesund und heil unsere Rückfahrt fortsetzen zu können.

Die letzten Tage rufen nach einer Wiederholung, dann zu viert. Denn Drei sind Einer zu wenig.

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