Gute Seemannschaft

Schön, wenn man die Freude am Segeln teilen kann. So wurden fünf gemeinsame Segeltage mit Ute und Andreas geplant. Noch am Sonntag gebe ich die obligatorische Sicherheitseinweisung und übe am Steg mit den beiden Wendemanöver. Die wichtigsten Seemannsknoten sind schnell gelernt und Andreas revanchiert sich mit seinen Knotenkenntnissen eines Anglerprofis. Am Montag legen wir mit Ziel Gedser ab. Das Hafenmanöver klappt prima und es geht auf die offene See. Schon schnell spüren ich, dass die heutige Wellenhöhe und der Wind für einen ersten Segeltörn nicht taugen. So drehen wir bei und motoren die Warnow hoch. Gut, dass wir uns bei kleiner Mannschaft schnell abstimmen können und niemand überfordert wird. Schon am Dienstag läuft es besser. Wind und Welle sind moderat und wir segeln Richtung Kühlungsborn. Ute gewinnt mehr und mehr Vertrauen in die Seetauglichkeit von Lütt Matten. Unsere Segelmanöver laufen mit viel Ruhe und stressfrei ab. Andreas übernimmt das Ruder und ich darf mich dann auch entspannen. Trotz Spende an Rasmus begrüßt uns der Mittwoch mit ungemütlichem Wetter und wir nutzen den Tag für eine Stadtbesichtigung. Ute und Andreas sind angetan von meiner Heimatstadt. Ich schwelge in Kindheitserinnerungen, auch wenn manche Plätze nach ihrer Sanierung bzw. Neubebauung kaum wiederzuerkennen sind. Der morgendliche Blick auf Grib-Files und Berichte des Seewetterdienstes verheißt für Donnerstag nichts Gutes. So schlage ich als Tagesprogramm eine längere Strandwanderung vor. Doch irgendwie passen  Starkwindwarnungen der Wetterdienste und die relativ ruhige See nicht zusammen. Und je mehr Segelboote am Horizont erscheinen, wächst mein Frust auf den verpassten Segelspaß. Andreas scheint das ähnlich zu sehen. So vollziehen wir eine 180-Grad-Wende und eilen Matten entgegen. Landstromverbindung gekappt, Seeventile geschlossen und raus geht es. Wir alle sind glücklich über unsere Entscheidung. Ute traut sich heute ans Ruder und zeigt Naturtalent. Keine achterliche Schlangenlinie, wie auch ich sie gerne als Anfänger gefahren bin, zieht Lütt Matten hinter sich. Ute hält einen klaren Kurs und bläht nur kurzzeitig ihre Wangen, wenn uns eine größere Welle trifft. Und als Ute dann ihre erste Wende am Ruder perfekt meistert, hat sie die Feuertaufe als Co-Skipperin bestanden. Bravo. Zu unserem Glück fehlt nur noch ein ordentlicher Biss an der Angel. Der bleibt leider aus und ich lerne, wie schwer es ist, anglergerecht langsam zu segeln. Lütt Matten mag das jedenfalls nicht. Ob des mangelnden Fangerfolgs trösten wir uns am Abend mit frischer Makrele vom nahen Fischdealer und begießen den guten Tag mit Tullamore Dew. Am Freitag vertrauen wir gleich mehr unseren Augen und checken durch einen Blick über die Mole die Lage. Das sieht gut aus. Ablegen und raus. Heute zieht es uns östlich. Bei bestem Segelwetter, begleitet von einem wunderschönen niederländischen Zweimaster, ziehen wir unsere Bahnen. Und ich verstehe nicht, wie es Lütt Matten bei knappen 10 Knoten Wind schafft, mit zeitweise über 7 Knoten die See zu pflügen. Das nenne ich Energieeffizienz. So kehre ich beglückt und mit einer wunderbaren und guten Seemannschaft zurück in den Hafen. Bei einem schönen Sonnenuntergang an der Mole gehen die zweite Flasche Whisky und eine schöne Segelwoche zur Neige. Herzlichen Dank an Ute und Andreas.

 

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