Segeltörn von Rønne nach Danzig

Wir geplant verlassen wir gegen 9 Uhr die Marina. Geplant ist heute der Segeltörn von Rønne nach Danzig. Die See ist spiegelglatt. Unser erster Versuch, nur unter Segeln zu reisen, scheitert am mangelnden Wind.

Ich nehme mit der dänischen Marine Kontakt auf und erfahre, dass, anders als der Hafenmeister meinte zu wissen, im südlich gelegenen Sperrgebiet den ganzen Tag geschossen wird. Also müssen wir einen ordentlichen Bogen schlagen. Wenig später gelingt es Gerard, die Segel so zu trimmen, dass wir den Flautenschieber ausstellen können.

Es ist immer wieder schön, wenn das Tuckern verstummen kann. So segeln wir bei Sonne und diesiger Sicht mit 4 Knoten durch den Tag. Das tatsächlich einsetzende Donnern aus dem Schießgebiet wirkt gespenstisch und verfolgt uns noch lange. Ich probiere mich wegen der schlechten Sicht an Mattens Radargerät und finde schnell die richtigen Einstellungen. Es ist gut zu wissen, diese zusätzliche Navigationshilfe nutzen zu können.

Neben dem ständigen Ausschauhalten und Rumzuppeln an den Segeln bleibt viel Zeit zum Lesen und kleinen Reparatuen. Gerard bastelt an der Mechanik des Mülleimers, ich versuche weiter die neue Software des Plotters zu verstehen, Laura widmet sich den Festmacherleinen und spendiert diesen einige Schönheitsreparaturen. Vielen Dank.

Es ist jetzt Segeln von der schönen und bequemen Art, kaum Seegang und doch ausreichender Wind zum Segeln. So kann es gerne durch die Nacht gehen. Eine nur wenige Meter von Lütt Matten vorbeiziehende Holzpalette läßt mich über Mattens dünnen Plastikmantel nachdenken. Glück gehabt. Nach dem Abendessen folgen wir unserem bewährten Wachplan. Die Sonne geht kitschig schön unter. Ich genieße meine Wachzeit, die erstaunlich schnell vergeht. Eine Stunde vor Mitternacht habe ich dann meine dreistündige Freiwache, die ich nur dem Schlafen widme. Zehn vor Zwei klingelt mein Wecker. Eingepackt in drei Schichten übernehme ich das Ruder von Laura. Zwischenzeitlich ist der Wind eingeschlafen und der Motor schiebt uns voran. Ohne anstehende Segelmanöver entlasse ich meine Mitseglerin von ihrer Dienstpflicht und habe die kommenden zwei Stunden für mich allein. Der klare Sternenhimmel und die sich am Horizont abzeichnende Morgensonne geben den eigenen Gedanken freien Raum. Ich mag diese Momente. Nur wenige vorbeiziehende Lichter zwingen mich zur erhöhten Aufmerksamkeit.

Um Fünf übergebe ich die Wache an Gerard und falle wenig später in einen Tiefschlaf. Um halb Acht werde ich wach. Leider läuft noch immer der Motor. Lauras zwischenzeitlicher Segelversuch scheiterte am schwachen Wind. Wir sind wieder zu dritt in der Pflicht und diskutieren ausführlich die kommende Ansteuerung Danzigs. Mehrere Sperr- und Verkehrstrennungsgebiete geben Anlaß zum sorgfälltigen Planen. Ich würde uns lieber, dem Rat der Handbücher folgend, von den Übungsgebieten freihalten. Gerard und Laura meinen, das es kein Problem wäre, da durchzufahren. Nun gut, ich verlasse mich auf den Rat der beiden erfahrenen Segler. Schließlich würde uns eine Umfahrung gut eine Stunde kosten. Andererseits lag ich mit meiner Warnung vor dem Bornolmer Schießgebieet auch nicht falsch. Wir werden sehen, ob man uns über Funk zur Umkehr zwingt, oder die polnische Marine pausiert. Wenige Stunden später klärt sich alles auf. Die Handbücher haben mal wieder übertrieben. Über die normalen Küstenfunkstellen erhalten wir rechtzeitig sogenannte nautische Warnungen, die auch über die möglichen Sperrgebiete aufklären. Der Weg ist frei und gestaltet sich einfach. Auch die Ansteuerung des Danziger Hafens ist mangels Verkehr einfach zu meistern. Ich beharre dabei trotzdem auf die vorschriftsmäßige Querung der Verkehrswege. Die beiden Niederländer lassen mich braven Deutschen in seiner Rechtschaffenheit gewähren.

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Ansteuerung Danzig, deutlich zu sehen: unsere 90 Grad-Querung des Verkehrstrennungsgebietes als gelbe Linie, Quelle: Navionics

Kurz nach der Hafeneinfahrt erreichen wir die Westerplatte. Ich dippe an dieser Stelle, einer Tradition folgend, den Adenauer (deutsche Flagge, siehe Titelbild). Vorbei an geschäftigen Werften führt uns der durch den Plotter vorgezeichnete Weg schließlich in die Danziger Altstadt. Unmittelbar vor Erreichen der Marina werden wir noch total ausgebremst. Eine noch nicht ganz fertiggestellte und nirgends verzeichnete Brücke versperrt uns wenige Meter vor dem Ziel den Weg. Rrh. Schließlich finden wir Unterschlupf unweit des Hindernisses und sind froh, angekommen zu sein.

Zahlen und Fakten:

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Dauer: 36 Stunden

Distanz: 178 sm

Höchstgeschwindigkeit: 10,4 kn

Mittlere Geschwindigkeit: 4,9 kn

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