Gelbe Engel lassen auf sich warten

Tina und Hannes sind schon am Morgen gestartet und trödeln gemütlich gen Norden. Grit, Andreas und Uli gehen noch bis zum frühen Nachmittag ihren beruflichen Verpflichtungen nach. Der Proviant ist gekauft. Fleißig gebacken und gekocht wurde schon am Vortag. Wir werden mal wieder nicht verhungern. Leiter und Winterplanen füllen schließlich unseren Kleinbus randvoll. Mit dem stürzen wir uns dann auch pünktlich in den Freitag-Nachmittagsverkehr. Bis zum Berliner Ostring geht es flott voran, doch dann staut es mächtig in Richtung Frankfurt/Oder. Ähnlich genervt wie sein Fahrer, scheint unserem Bus vor Königs Wusterhausen der Kragen zu platzen und läßt mächtig Dampf ab. Mir gelingt es gerade noch, das rettende Standstreifenufer zu erreichen. Dann geht nichts mehr. Sämtliches Kühlwasser ist von Bord gegangen. Den Verlust mit ausreichend gebunkertem stillem Wasser wett zu machen, misslingt. Unter dem Auto bildet sich dabei nur noch ein größerer Teich. Ich rufe die gelben Engel und man verspricht mir am Telefon innerhalb von 30 Minuten Hilfe. Die kommt aber nicht. Auch nach knapp 2 Stunden bibbern wir immer noch im sicherem Abstand zur Autobahn. Also nochmals die Engel anflehen. Angeblich hätten wir dem ADAC die selbständige Lösung des Kühlwasserproblems gemeldet. Haben wir aber nicht. Der Auftrag galt also als storniert und wird nun neu aufgenommen. 

Es ist mittlerweile recht kalt. Bei dem Verkehr wagt sich auch keiner mehr, im Auto zu verharren, denn der Stau beginnt sich langsam aufzulösen. Weil unklar ist, ob wir heute überhaupt noch weiterkommen, organisiere ich für Tina und Hannes einen Zugang zu Lütt Matten und leite die beiden von Barth nach Warnemünde um. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die freundliche Mitarbeiterin der Marina Hohe Düne. 

Endlich drehen sich am Horizont zwei gelbe Rundumleuchten und verheißen Hilfe. Der Bus wird nach kurzer Fehlerbeschreibung kurzerhand abgeschleppt und in die nahegelegene Werkstatt gebracht. Glücklicherweise steht dort für uns auch ein Mietwagen zur Verfügung. Dank der Tetriskünste von Andreas gelingt es uns, sämtliches Gepäck umzuladen und die Reise fortzusetzen. Gegen 23 Uhr erreichen wir endlich Lütt Matten. Traditionell bleibt mein Umladen des Proviantes nicht folgenlos. Im vergangenen Jahr reduzierte ich versehentlich den Glühwein um 50%. In diesem Jahr ist es Ulis leckere Tomatencreme, die unsanft und natürlich mit offenem Deckel auf dem Asphalt landet. Mea culpa.

Angesichts des zu verstauenden Gepäcks glaube ich langsam, statt eines zweitägigen Törns nach Barth stünde eine Atlantiküberquerung bevor. Aber schnell findet alles seinen Platz. Da uns kein Landstrom zur Verfügung steht, wandert sämtliches Kühlgut ins Cockpit. Neben der Enge, die sechs Besatzungsmitglieder nun einmal mit sich bringen, sorgt die Dieselheizung für ein kuschliges Ambiente. Nach eine Stunde des gemeinsamen fröhlichen Ankommens und Begrüßens, Herr R. erhält selbstverständlich seine gebührende Dosis, mahne ich zur Bettruhe. Zuvor bereiten wir noch schnell alles für ein zeitiges Fortkommen vor. UV-Schutz vom Vorsegel nehmen, Schoten anschlagen, Landstromkabel verstauen, aktuellen Wetterbericht ziehen. Nur meine Sicherheitseinweisung will jetzt keiner mehr hören. So, nun ab in die Koje, denn ich möchte morgen, d.h. eigentlich heute, mit Sonnenaufgang los.