Fischbrötchen, Wasser und doch kein Segelbericht

Die Reise beginnt mit Fischbrötchen, so wie ich es immer halte, wenn es zu Lütt Matten geht. Doch dieses Mal stammen diese nicht von meiner Stammfischbude in Markgrafenheide, sondern vom Amazonas, schmecken aber irgendwie doch nach Ostsee. Des Rätsels Lösung ist ein Tagesausflug meiner Mutter an die Peene, deren Urwüchsigkeit zu dem irritierenden und hochgreifenden Namen Amazonas führte. Und von dieser Amazonasfahrt stammen eben die leckeren Fischbrötchen, die wir am Vorabend unserer Reise in familiärer Runde genossen.
Erste Zwischenstation ist mein Heimathafen in Sachsen mit anschließender Kaffeefahrt zu meinen Schwiegereltern. Dort hat sich die gesundheitliche Situation soweit gebessert, dass ich beruhigt am nachfolgenden Tag mit meiner Mutter gen Südwesten weiterziehen kann. Da die rund 1350 km für einen Tagestörn doch zu lang wären, schmeißen wir im Hochschwarzwald für eine Nacht in einem kleinen Hotel den Anker und genießen die wohlbekannte gute Küche bei lokalem Wein.

Am nächsten Tag müssen wir nochmals rund 450 Kilometer bewältigen, haben aber ausreichend Zeit, nach Besançon die Autobahn zu verlassen. Über kleinere Landstraßen genießen wir die vom Weinanbau geprägte Landschaft. Der blaue Himmel tut zusätzlich sein stimmungsaufhellendes Werk. Am Wegesrand findet sich eine Käserei, die wir natürlich nicht links liegen lassen können. Zusammen mit einem frischen Baguette ist damit unser Picknick gesichert. Aus gesetzlichen Gründen fehlt leider der passende Wein. Mutter wäre eh nicht willens, Dreiviertel Liter zur mittäglichen und überhaupt jedweder Zeit allein zu leeren. Ein nettes Plätzchen zum Rasten findet sich, nachdem eine Festungsruine in Sichtweite zum spontanen Verlassen der geplanten Route einlädt.

Irgendwann gibt die Dame im Navigationsgerät auf, uns zur Umkehr zu überreden. Die Straßen werden immer kleiner und enger. Ich mag diese kleinen Abenteuer. Der Käse und das Brot munden köstlich und wir zwei genießen das Ankommen in Frankreich.
Weiter führt der Weg durch kleine Dörfer. Wir schlagen Bögen und Kreise. Ich muß mich inzwischen ganz auf die Orientierungshilfe aus dem Off verlassen. Diese hat ihre Stimme wieder gefunden und scheint unsere vorherige Ignoranz verziehen zu haben.
Ungefähr 20 Kilometer vor Lyon erreichen wir den etwas nervigen Teil unserer Tour. Wir hangeln uns von Kreisverkehr zu Kreisverkehr. Die sich ständig wiederholende Ansage aus dem Navi, wir mögen die zweite Ausfahrt nehmen, erinnert an eine Schallplatte, die einen ordentlichen Schlag bekommen hat. In Lyon finden wir unseren Steg unkompliziert. Mit nur einer, dem Einbahnstraßensystem geschuldeten Ehrenrunde, parken wir direkt am Anleger und werfen die Koffer ab. Die Parkhausnummer ist dann nichts für schwache Nerven. Gut, dass Mutter am Kai wartet. Die angegebene Maximalhöhe an der Einfahrt beträgt 1,90 m. Der Bulli hat aber 1,94 m. Aber entweder hat der Parkhausbetreiber einen Sicherheitspuffer gelassen, oder die Pneus des Autos sind nicht ausreichend gefüllt. Jedenfalls höre ich keine Schrammgeräusche und kann beruhigt den Bus abstellen.
Einchecken und Koje entern sind dann schnell erledigt. Auf dem Sonnendeck genießen wir beide das Hiersein und ich ein echt französisches Bier aus Radeberg. Hoffentlich sind in den kommenden Tagen die Küche und der Wein an Bord nicht genauso fremdenfeindlich.
Die nächtliche Ausfahrt aus Lyon ist etwas kühl, aber doch sehr schön. Die Kreuzfahrtschiffe sind in ihrer Höhe so knapp berechnet, dass ein Großteil der Aufbauten vor den Brückendurchfahrten demontiert werden müssen und ein nerviges Horn jeweils zum Kopfeinziehen mahnt.
Irgendwann werden wir des Oberdecks verwiesen, weil die Lyoner Gesetzeshüter es so wollen. Wir nutzen diese gleich als Grund, unsere Koje aufzusuchen und schauen durchs Bullauge noch etwas nächtliches Lyoner Hafen- und Uferkino.

Nach einer erholsamen Nacht befinden wir uns jetzt in Mácon. Die Stadt, die wir schon gestern bei unserer gestrigen Durchfahrt als nicht so prickelnd empfunden hatten, ist dem Baedeker Reiseführer tatsächlich auch nur vier Zeilen wert. Wir starten nach einem ausführlichen Frühstück per Bus nach Cluny.

Vorbei an weltbekannten Weingütern, deren Namen mir zu meiner Schande doch nichts sagen, erreichen wir nach einer halben Stunde Cluny, dass sehr eng mit der französischen und Kirchengeschichte verbunden ist. Mit einer sehr guten und mit historischen Fakten nicht überfrachteten Führung erhalten wir einen interessanten Ein- und Überblick in die in Stein gehauene Vergangenheit des Klosters. Leider hatten übereifrige französische Revolutionäre das Kloster zwischenzeitlich zum Steinbruch deklariert und wir brauchen viel Phantasie, anhand alter Mauerreste und historischen Grundrissen das ganze Ausmaß der Anlage zu erfassen. Doch, was geblieben bzw. teilweise rekonstruiert wurde ist trotzdem beeindruckend. Kondition und zeitlicher Rahmen geben leider wenig Möglichkeit, noch etwas durch die alten Gassen des Ortes zu streifen. Aber der jetzt einsetzende Regen hält unser Bedauern eh in Grenzen.
An Bord zurückgekehrt, findet Mutter eine gut bestückte Bibliothek und legt ihre mitgebrachten Bücher beiseite. Die müssen jetzt warten. Nun denn, Müßiggang und Tagebucheintrag sind angesagt.

Abbitte

Also, die Fotos von der Kamera bekomme ich hier einfach nicht hochgeladen. Es bleibt bei Smartphonequalität. Sorry für die Bildqualität. Abbitte auch, was Mácon anbetrifft. Wir sind dann auf eigene Faust nochmal in die Stadt und haben viele kleine Entdeckungen gemacht, die uns sehr gefielen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.