Kreuzschlägerei

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Gemäß gestrigem Eintrag hätte es die Kreuzschlägerei nicht gegeben. Hätte, hätte, Ankerkette. Die Verkehrsanbindung von Heiligenhafen ist leider nicht so prickelnd. Deshalb entscheide ich kurzerhand noch eine Etappe dranzuhängen. 

So schipper ich erst gegen 10 los. Mein Frühstück verschiebe ich auf später. Heute zieht es scheinbar alle raus und ich reihe mich in die Perlenkette der vielen Boote ein, welche die Marina ebenfalls verlassen wollen. Auf dem offenen Wasser empfangen mich 3 bis 4 Windstärken. Ich ziehe alles Tuch raus und schlage einen westlichen Kurs ein. Unklar ist, ob ich einen Haken schlagen muß oder nicht. Denn auf der direkten Linie liegt ein militärisches Sperrgebiet. Aber ich verlasse mich da einfach mal auf die anderen Segler, die einen ähnlichen Kurs anlegen. Und prompt kommt über Kanal 16 die Anfrage eines Seglers, ob man den sogenannten Kiel-Fehmarnsund-Weg nehmen könne. Nun ist der Kanal 16 ein Ruf- und Notrufkanal, also nicht unbedingt für derlei Anfragen gedacht. Und natürlich kommt die mahnende Antwort aus dem Off, man möge doch in den NfS (Nachrichten für Seefahrer) nachlesen. Aber scheinbar hat auch die Bundesmarine die Anfrage gehört, und antwortet völlig unamtlich, man hätte die Schießübungen gestern eingestellt und heute wäre die Passage möglich. Na, das war doch mal freundlich. So muss ich nicht mit“freundlichem Feuer“ rechnen und kann beruhigt meiner Wege segeln. Ansonsten hätte es einen deutlichen Umweg für mich bedeutet. 

Die Sonne schein, toller Wind, zwischen 5 und 7 Knoten Fahrt und erträglicher Wellengang. Seglerherz, was willst du mehr?  Nord, mehr Wind aus Nord. Denn mit diesem Wind würde ich irgendwann auf die Küste dengeln. Also beginnt, und hier komme ich zum titelgebenden Teil, ein mehrmaliges Aufkreuzen. Diese sogenannten Kreuzschläge können schnell die zu segelnde Strecke verdoppeln. Also heißt es, möglichst Höhe kneifen und hart am Wind segeln. Eine Balance finden zwischen längerer Strecke und mit dem Boot stehenbleiben. Denn unterhalb der segelbaren Windkante geht der Vortrieb verloren. Taktik halt und eine reine Kreuzschlägerei.Die wiederhole ich mehrmals bis zur Kieler Förde, denn kurz vor Laboe dümpeln auch noch warnende Tonnen im Weg, die einen direkten Kurs verhindern. Aber das Gute an diesen vielen Kreuzschlägen ist deren Trainingskomponente. Denn nach so vielen Wenden flutscht das Einhandmanöver super. Beim Autopiloten 9 mal auf die 10 Grad-Änderungs-Taste drücken, warten bis das Vorsegel auf die andere Seite will, alte Lee-Schot lose geben und die alte Luv-Schot, die nunmehr zur neuen Lee-Schot wird, fix dicht holen. Zack und fertig. Ob das dann auch bei 7 Windstärken einhand so einfach ist, werde ich sicher irgendwann auch testen müssen. Bisher habe ich bei stärkerem Wind erst das Vorsegel eingerollt, dann die Wende gefahren und am Ende das Vorsegel wieder rausgezogen.

Mitten in dieser Kreuzschlägerei hält ein Seenotkreuzer direkt auf mich zu, dreht dann aber weiter in Richtung Osten ab. Und dann kommt schon ein Mayday-Ruf über Kanal 16. Ein rotes Schlauchboot mit Angelgeschirr wurde an Land gespült. Wir mögen“scharf Ausguck halten“ nach Personen im Wasser. Mache ich dann auch. Meine gute Laune trübt sich. Mist, wenn so etwas passiert. 

Ich ziehe an Laboe mit seinem markanten Marine-Ehrenmal vorbei und denke an unseren Besuch zurück, deren Grund ein Konzert meines jüngsten Sohnes in der Kirche von Laboe war. Das Marine-Museum machte auf mich einen recht beklemmenden Eindruck, insbesondere die tausenden Namen von gefallenen Marine-Soldaten. Sinnlos, einfach nur sinnlos. Und leider sind die Menschen nicht klug geworden… Ich dippe meinen alten Adenauer, wie ich es schon in Danzig tat. 

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in der Förde habe ich ein Déjà-vu. Denn zum einen weht es hier wieder um gute 5 Knoten mehr, zum anderen kommt mir natürlich so ein dicker Kreuzfahrer entgegen. Nee, diesmal läuft mir Lütt Matten nicht aus dem Ruder. Ich ziehe sämtliches Segeltuch rein und gut ist. Vor vier Jahren segelte ich hier an einem Riesendampfer vorbei und geriet in dessen Windschatten. Nachdem der Pott vorbei war, blies eine Düse, die Matten stark auf die Seite legte. Damals verlor ich kurzzeitig die Kontrolle übers Boot. Heute aber nicht. Bin ja lernfähig.

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Die angepeilte Marina ist nur noch eine Seemeile entfernt. So tuckere ich das restliche Stück und finde schnell den für mich reservierten Liegeplatz. Und wieder ist ein freundlicher Herr am Steg, der mir beim Einparken behilflich ist. Wie sich herausstellt, ist dieser auch Einhand-Segler, der die Schwierigkeiten beim einsamen Anlegemanöver kennt. Wir plauschen noch eine Weile. Netter Typ und wieder so ein Moment, den ich am Segeln mag. Gespräche von Boot zu Boot. Das Anlegerbier in der Hand, Klönen und Erfahrungen austauschen. 

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