Viel geschafft, ich auch

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Anreise und Planung
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Anlegerbier

Gestern bin ich mit zwei dicken Staus „verwöhnt“ worden und hatte mir meinen Anleger in Hohe Düne mehr als verdient. Ich nutzte die Reststunden des Tages, um mir einen Plan für die folgenden Tage zu machen. Der Seewetterbericht sagte für Mittwoch Nachmittag segelbare Bedingungen voraus. Am Donnerstag und Freitag sei mit Flaute zu rechnen und am Sonnabend würde ein neues Tief es mit Regen und viel Wind kacheln lassen. Hm, dann wird es wohl nur ein Kurzausflug. Es stehen sowieso einige Arbeiten im Nachgang des Danzigtörns an. Der Fäkalientank alamiert, er sei voll, ist er aber nicht, die Bilge muss trocken gelegt werden und der Motorraum bedarf einer Reinigung. Die Funke hat eine Macke und das Silikon an der Steuersäule fällt aus den Fugen. Es gibt den Spruch, Weltumsegler würden sich durch alle Häfen reparieren. Ich war doch bloß in Dänemark und Polen!

Basteltag

Der Tag fäng ja gut an. Mein innerer Wecker versagt vollkommen und ich pelze mich gegen Zehn aus der Koje. Das ist mir lange nicht mehr passiert. Noch bläst der Wind bedrohlich, aber zumindestens der Himmel ist wolkenlos. Nach Kaffee und kleinem Frühstück widme ich mich dem Fäkalientankproblem. Simsalabim. Die Fehlermeldung ist plötzlich verschwunden, ohne dass ich weiß, warum. Vielleicht hatte der Sensor des Tanks mit den vergangenen extremen Schieflagen Mattens seine Probleme. Kann ich ihm nicht verdenken.

Die Funke soll eigentlich gleichzeitig auf zwei Kanälen zuhören können. Kann sie aber nicht. Trotz striktem Befolgen der Bedienungsanleitung fehlt die entsprechende Einstellung im Setup-Menü. Nach gut einer Stunde gebe ich mich geschlagen und bitte den Hersteller telefonisch um Rat. Die kennen das Problem und schieben die Schuld auf die Holländer. Dort ist die sogenannte Zweikanalwache nämlich nicht erlaubt. Da Lütt Matten niederländische Wurzeln hat, glaube ich dem netten Mann von ICOM, quäle mich nicht weiter und vertage das Umprogrammieren beim Dealer des Vertrauens auf den Winter.

Bilge und Motorraum sind schnell gereinigt und ich wage mich an die Silikonfugen der Steuersäule. Dank Youtube weiß ich theoretisch, was zu tun ist. Als erstes löse ich das Steuerrad von der Säule. Das funktioniert noch selbsterklärend gut. Auch die alten Silikonfugen lassen sich gut entfernen. Mit dem Ziehen der neuen Fugen geht es von Strich zu Strich auch besser. Mit dem Ergebnis bin ich soweit zufrieden und gönne deshalb auch dem Gasflaschenschapp neues Silikon. Und weil die Silikontube noch fast voll ist, wird ein Abplatzer an der Backbordbackskiste auch noch zugepappt. Warum diese Silikontuben nur immer so groß sein müssen, bleibt mir ein Rätsel. Nicht jeder will ein komplettes Eigenheim verfugen. Und der Tubenrest wird sicher bald unbrauchbar sein.

Verkorkster Kurztörn

Der Wind hat nun moderate Stärke und ich klariere Lütt Matten für meinen geplanten Kurztörn auf. Wohin es konkret gehen wird, weiß ich noch nicht. Die aktuelle Windrichtung wird mir den Weg vorgeben. Nur nach Osten will ich mich nicht wagen, denn der Rückweg wäre nur unter Motor möglich. Das Ablegen funktioniert sehr gut, ich dampfe dabei in die Achterleinen ein und kann in Ruhe die Vorleinen lösen. Lütt Matten hält sich trotz seitlichem Wind schön gerade. Die Achterleinen habe ich auf die Winschen gelegt und „kurbel“ mich so langsam aus den Liegeplatz. Neue Methode, die gut funktioniert und ohne jede Hektik abläuft. Auf der freien See begrüßen mich ordentliche Wellenberge des vergangenen Starkwindes. Angeleint turne ich auf das Deck, berge alle Leinen und Fender und schiebe dann Mattens Nase in den Wind. Beim Setzen des Großsegels passiert dann das, was man sich nun wirklich nicht wünscht. Ich stelle schnell fest, dass sich das Groß nicht mehr reffen läßt! Nee, das kann jetzt nicht wahr sein. Bei dem Wellengang macht es nicht gerade Spaß, zum Mast zu turnen. Die Reffleine hat sich verklemmt. Das Schlagen des Segels trägt auch nicht zur Beruhigung der Lage bei. Ich klettere zurück in die Pflicht und überlege, was zu tun ist. Mit einer Winschkurbel klettere ich wieder zum Mast und kann dort das Segel langsam einrollen, muss dazu aber immer wieder ins Cockpit zurück, um die Leinen stückweise freizugeben.

Gut, die Lage ist vorerst geklärt und ich entscheide mich zur Umkehr. Der Anleger gelingt mir dann mittelprächtig, denn ich bekomme bei dem Seitenwind nur den Leepfahl in Wurfweite. Also dampfe ich allein in die eine Achterleine ein, bekomme aber Mattens Nase nicht gerade. Irgendwann läuft jemand am Steg entlang, und ich kann ihn um Übernahme der Luvvorleine bitten. Von alleine scheint hier keiner auf die Idee zu kommen, Hilfe zu leisten. Rhr.

Nach dem Ultrakurzausflug gönne ich mir ein Bier und wühle (siehe Beitragsbild: meine „Wühlkiste voller Manuale) die Bedienungsanleitung für den Rollmast raus. Mit Fummeln und Fluchen bekomme ich die Reffleine wieder in die Winsch am Mast und gut ist. Jetzt weiß ich, wie das geht. Eine Wiederholung der Chose brauche ich allerdings nicht. Bilanz des Tages: Viel geschafft, ich auch.

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