Wozu brauchst du Wasser?

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Der Nebel hat sich verzogen. Eine leichte Brise und wärmende Sonne empfangen mich am Morgen. Dazu ein starker Kaffee. Das Glück ist fast perfekt. Fehlt nur noch das Wasser unterm Kiel. Das ist dann auch meine heutige Tagesaufgabe, deren Verteilung ansonsten gerne die beste aller Skipperinnen übernimmt. Die Zeit bis zum Kranen nutze ich, das Rigg zu prüfen. Beängstigend viele Schäkel sind lose. Am Rodkicker liegt sogar einer unterm Baum. Das sollte ich dann wohl häufiger checken. Den Anschluss der Funke und der Bilgepumpe verschiebe ich mangels Stromanschluss für den Lötkolben auf den Abend.

Pünktlich hängt dann Lütt Matten um Eins in den Seilen. Schnell noch Antifouling unter den Kiel streichen und schwups, ist unsere Welt wieder in Ordnung. Matten schwimmt und alle Seeventile sind dicht. Nur noch den Motor starten und an den Steg schippern. Und da nimmt das erste Drama seinen Lauf. der Flautenschieber springt brav und ohne zu meckern an. Einzig das Kühlwasser will nicht fließen. Der Seewasserzugang am Saildrive ist offen, der Wasserfilter strotzt vor Reinheit. Ich bin ratlos, sehe mich im Geiste schon den mit Seepocken zugesetzten Wärmetauscher demontieren. Wie das geht, hatte ich vor gut einem Jahr in einem Motorseminar gesehen, aber eben auch nicht mehr. Ein letzter Versuch, denn zu lange möchte ich die Maschine nicht ungekühlt laufen lassen. Und endlich, erste Wasserspritzer am Heck geben Hoffnung. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Der Kelch ist nochmal an mir vorbeigegangen. Es wird nicht der letzte sein.

Der erste Anleger in diesem Jahr klappt super. War auch keine Kunst. Ranfahren an den Liegeplatz und abwarten. Den Rest erledigt der Wind, der uns rechtweisend an den Steg drückt. Segel anschlagen, den restlichen Kram verstauen und ein stressabbauendes Bier. Uff.

Meine zweite Schicht widme ich dem Anschluss der umprogrammierten Funke und der Bilgepumpe. Meine linken Hände leisten rechte Arbeit und alles ist dann so, wie es sein sollte, zumindest wenn es Laien zu verantworten haben. Den Rest des Abends bringe ich mit Törnvorbereitungen zu. Navigationslichtet prüfen, Wegpunkte setzen, Wetter checken usw.  Einzig der Wasserschlauch am Steg ist zu kurz. Ein vorbeiwandelnder Seefahrer in Ruhestand, ich erkenne ihn an seinem obligatorischen Elbsegler, bemerkt: Wozu brauchst du Wasser? Bier reicht völlig. Den Satz merke ich mir für übermorgen. So bleibt der Wassertank leer. Da ich morgen den Atlantik nicht queren will und ich zumindest drei Sixpack (Mineralwasser!) an Bord habe, sollte mein Überleben nicht gefährdet sein. Gute Nacht, denn Matten wiegt mich endlich wieder in den Schlaf.

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