Kein Land in Sicht

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Mein Wecker klingelt zu früh. Die Stunde Zeiunterschied ist mir irgendwie entgangen. Das noch leise Pfeifen der Wanten und das rhythmische Knarzen der Festmacher waren die rechte Einschlafmelodie der vergangenen Nacht. Zum Aufwachen wirkt die Kakophonie der Masten schon wesentlich bedrohlicher. Da weht wohl eine steife Briese. Der Skipper wird schon wissen, was er tut, wenn er mit uns trotzdem rausfährt. Der Ableger gelingt Dank gut gelegter Manöverleine problemlos. Da habe ich wieder etwas gelernt. Nach der Hafenausfahrt begrüßen uns 5 Bft. und 2m Welle, nicht wirklich bedrohlich. Mit Rollgroß im ersten Reff und voller Genua beginnt der erste Törn in schöner Fahrt mit achterlichem Wind. Nach einer Stunde wechseln wir die Segelstellung zum Schmetterling und setzen einen Bullenstander zur Sicherung des Groß. Das Segeln wird rolliger. Einige Crewmitglieder zeigen Anzeichen leichter Übelkeit. Das Segeln erfordert genaues Steuern. Das ist kein leichtes Unterfangen, bei den anrollenden Wellen geigen wir durch die Wellen. Immer wieder stehen Vor- oder Großsegel back. Der Bullenstander rettet uns vor dem ungewollten Überschlagen (Patenthalse) des Großbaumes. Ich würde lieber den Schmetterling auflösen. Das wäre wesentlich bequemer und auch materialschonender. Irgendwann läßt der Wind nach. Die Segel schlagen nur noch sinnlos und der Skipper läßt mich den Flautenschieber anwerfen. Schade. Die letzten 25 sm motoren wir. Endlich, endlich sehen wir kein Land mehr. 360-Grad-Rundumblick. Da ist nichts am Horizont. Der tiefblaue Atlantik atmet mit langgezogenen Wellen, die nur selten ihren Weg über die Bordwand finden. Leider zeigt sich die kurzzeitig gesichtete Delphinschule nicht noch einmal. Wenn bloß nicht der nervige Motor tuckern würde. Wir werden bei einbrechender Dunkelheit Santa Cruz erreichen. Der Skipper macht uns Hoffnung, heute Wale vor der Küste Tenerifas sehen zu können. Die Sonne senkt sich langsam und es wird kleidungstechnisch aufgerüstet. Übrigens bin ich Warmduscher der einzige, der die Rettungsweste trägt (Gruß an die Familie).

Wir sind angekommen. Stockfinster ist die Nacht. Wale waren natürlich nicht zu sichten. Durch die ordentliche Welle gab es erste Ausfälle unter der Crew. Allerdings wurden die Fische noch nicht gefüttert. Gut so. Ich bin dankbar, dass mein Körper seefest ist. Ich trinke viel (natürlich nur Wasser) und esse zwischendurch Brot. Die Methode funktioniert bisher gut. Nach dem obligatorischen Anlegerbier gibt es in Kürze Nudeln mit viel Knobloch. Es duftet auf dem Boot wie daheim. Lecker. 48 sm liegen im Kielwasser.

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