Der Verklicker, der seinen Namen nicht verdient

Der Verklicker dreht sich unentschlossen im Kreis. Ich tue es ihm gleich. Rausfahren oder im Hafen verweilen? Wieder bei Flaute rumdümpeln? Der schlaffe Adenauer am Heck gibt auch kein Zeichen.

Seit meinem glücklichen Ausstieg aus dem Hamsterrad fallen mir Entscheidungen zunehmend schwerer. Gepaart mit meinem allgegenwärtigen Pessimismus ist das natürlich die perfekte Kombination, um Leinen nicht loszulassen.
Nach einer Extraportion Kaffee kehrt ein wenig alter Aktionismus zurück, den Uli in seiner Extremform sogar nicht mehr bei mir vermisst. Aber keine Angst, ich halte den Ball extrem flach und widme mich einem kleinen Leitfaden für Mattens Gäste. Die Erklärbär-Nummer kann ich ja inzwischen. Hintergrund ist der avisierte Besuch einer meiner Söhne ohne essentielle Einweisung vor Ort. Am Ende ähnelt das Matten-Erklärbär-Bilderbuch eher den ausführlichen und stundenfressenden navigatorischen Ratschlägen der großelterlichen Generation, wenn man mal unvorsichtig nach dem Weg fragte. Naja, so schlimm ist es nicht und die bebilderte Auflistung soll ja nur ein Wegweiser sein. Wo ist die Gasflasche, der Absperrhahn etc.  Trotzdem erinnere ich mich an Ulis gestrigen Bericht von der jüngsten QMS-Sau, die wieder durch mittelständische Betriebe gejagt wird.  Jüngst war es der Brandschutzhelfer, jetzt muß die Müllentsorgung akribisch dokumentiert werden. Also werden Mülltonnen, Papierkörber und der Toiletteneimer im WC fotografisch dokumentiert. Wenn das weiter so geht… Mit Matten steht uns ja ein Fluchtweg offen.

Zurück zum Tag. Nach der Erklärbärphase und einem zweiten Blick auf den Verklicker, der heute seinen Namen nicht verdient, erhalte ich aus der Heimat einen pixligen Auftrag, den ich brav erfülle. YouTubes Werkzeugkiste macht es mir dabei überraschend einfach. Kinderfotos, die meine Navigationsecke schmücken, sollen in den Erklärbärfilmen unkenntlich gemacht werden. Ich verstehe die Vorsicht der Eltern und forste meine Kanalfilme durch.
Mein Stegnachbar kehrt von einem Wismar-Törn zurück und berichtet von bestem Segelwetter, natürlich nur bis kurz vor Warnemünde. Ich verfluche den Verklicker, alle Wettterberichte und meinen Pessimismus. Na, wenigstens mit dem Annehmen der Festmacherleinen habe ich heute ein seglerisches Werk getan. Toll.
Am Ende werde ich doch noch dem Rat eines Kommentators folgen und eine Fährüberfahrt nach Gedser buchen… Ich habe wohl den Flautenblues.

Ahoi

Übrigens, wenn die Titelzeile mehr Platz böte, hätte der Titel neumodisch und bestsellerverdächtig so gelautet:

Der Verklicker, der seinen Namen nicht verdient und den Flautenblues spielt.